(© Schriftsteller Christian Vogt)
"Dort ist das Meer", ließ sich eine jugendliche Stimme vernehmen, und ein breites Lächeln glitt über dieses Gesicht, dessen Augen geschlossen waren, um das einzigartige Drumherum zu genießen: Das Rauschen der Wellen, das Pfeifen des Windes wie auch die frisch und salzig schmeckende Luft. Die große unendliche Freiheit, dort war sie zum Greifen nah! Endlich! Kein Lärm, nirgends wirklich niemand, nur einsam und allein das tiefe weite Meer.
Es war schon vor geraumer Zeit dunkel geworden, und von Weitem hatte sich eine nächtliche Sturmflut angekündigt. In einer nahen Hütte über dem steilen Kliff hatte man seit einiger Zeit Lichter sehen können. Auch jetzt nach mehreren Stunden brannten in dieser Hütte weiter die Lichter und drinnen war man fleißig am Feiern und Trinken.
Lange passierte nichts, einmal abgesehen vom wilden Tanz dieser lichten Schatten hinter den Fenstern. Die Windböen und der Regen nahmen aber mit jeder Minute zu. Obwohl der Wind die Holzwände knarren ließ und der Regen heftig gegen die Fenster prasselte, schien das Ganze niemandem im Haus aufgefallen zu sein, geschweige denn zu interessieren.
Es war dann gegen zwei Uhr morgens, als sich plötzlich eine Tür der Hütte öffnete. Das in Dänemark zu dieser Jahreszeit schon schwache Tageslicht reichte aus, um die Umrisse einer mittelgroßen Gestalt wahrnehmen zu lassen, bekleidet mit blauem Regenponcho und Turnschuhen. Eine Art Kampfritual durch den Sturm folgte, manchmal fing die Gestalt an zu tanzen, drehte sich wild im Kreise und sang fröhlich gegen den Wind an. Doch der Regen und die Sturmflut verschluckten alle gesungenen Laute.
